Der Wiederholungstäter

Der Wiederholungstäter

 

 |Ich bin dafür das Du dagegen bist und ich bin dagegen das Du dafür bist…

 

Ein Stadtmensch nimmt sich vor den Rest seiner Tage auf das Land zu ziehen um die Ruhe und Beschaulichkeit des ländlichen Lebens zu  genießen. Gesagt und getan. Er findet gemeinsam mit seiner Gattin ein ruhiges und zugleich abseits gelegenes Haus. Es hat oben 3 Zimmer und unten befinden sich ein geräumiges Wohnzimmer, ein Badezimmer, die gut ausgestattete Küche, einen Abstellraum und ein Gästezimmer. Das zugehörige Grundstück kann sich sehen lassen. Mit rund gerechnet 1100m² war er vollkommen zufrieden. Es ist genug Platz für den Hobbygärtner, eine Laube für die sonnigen Tage und viel Wiesenfläche durch die zu seiner Zufriedenheit ein kleiner Graben fließt, welcher permanent Wasser enthält. Am Rande seines Grundstücks, es ist der nächstgelegene Punkt zu seinem Haus, befindet sich ein Bauernhof. Er sieht etwas altersschwach aus, scheint aber funktionstüchtig zu sein, dachte der Stadtmensch bei der Grundstücksbesichtigung. Der Makler erklärte ihm, dass er sich auf einem der schönsten Fleckchen Erde in dieser Region befindet.  Weiterhin erklärte der Makler, dass es Landwirtschaft im klassischen Sinn gibt, Gewächshäuser und die Menschen sind freundlich, zuvorkommend und offen. Die nächstgelegene Einkaufsmöglichkeit ist ein kleiner aber feiner EDEKA Laden. Scherzhaft und mit einem Lächeln im Gesicht erwähnte er, dass es in dem EDEKA Laden erst vor ein paar Monaten einen Zwischenfall gegeben haben soll welcher bislang noch ungeklärt sei. Der Stadtmensch fragte was denn da geschehen sei und ob es bedenklich wäre. Darauf erwiderte der Makler, dass es ein Loch im Betonfußboden gegeben haben soll welches durch eine noch nicht identifizierte Flüssigkeit verursacht worden war. Die Behörden untersuchen derzeit alles akribisch genau. Eine Gefahr für die Ladenbesitzer und die Bevölkerung bestünde aber auf keinen Fall und er hätte den Zeitungsartikel der regionalen Tageszeitung sehr genau gelesen.

 

Der Makler sagte zu dem Artikel  folgendes: Am nächsten Tag erschien in der Tageszeitung eine Kurznachricht, dass in einem Laden in der Nähe, eine gefährliche Flüssigkeit, aus noch unbekannten Gründen, einen erheblichen Schaden verursacht hätte und die zuständigen Behörden diesen Vorfall untersuchen.

 

Der Stadtmensch war zufrieden mit dem Makler, sie unterzeichneten den Kaufvertrag, vereinbarten alles Nötige und verabschiedeten sich freundlich voneinander.

Nach zwei Monaten rückte die Umzugskolonne an, richtete alles nach den Angaben des Stadtmenschen ein und reinigte es.

Am Abend wartete der Chef der Umzugskolonne darauf, dass er den Schlüssel übergeben kann. Das alles lief reibungslos ab, denn die Firmen in dieser Region erledigen ihre Arbeit immer korrekt.

 

Der nächste Morgen

 

Punkt 04:00 Uhr stand Herbert nahezu senkrecht im Bett. Ein noch nie gekanntes Geräusch hatte ihn abrupt aus dem Tiefschlaf gerissen. Er vernahm es als ein immer wiederkehrendes „töff, töff, töff, töff gepaart mit seltsamen Zwischentönen die ihn an einen lautstark sterbenden Schwan erinnerten. Er ist halt ein Stadtmensch und weiß nicht wie Schwäne sterben… Nun fühlte er sich dringend dazu berufen, nach dem Rechten zu sehen. Es war ja schließlich sein Haus und sein Grundstück… In größter Eile lief er die Treppe seines Hauses hinunter während ihn ein laut schepperndes Geräusch auf dem Absatz der Treppe begleitete. Durch die Eingangstür nach draußen stürmend stoppte er ruckartig unten an der Eingangstreppe welche ihm ein freundlicher Pflasterer mit seinem Team in fleißiger und korrekter Arbeit hergerichtet hatte.

 

Was er in diesem Augenblick sah, war ein stählernes, alt aussehendes und lautstarkes Ungetüm, dass an der Vorderseite eine Art Schaufel mit übelriechendem Inhalt, vor sich her transportierte.  Noch während dessen er nach Atem ringen musste, verschwand das gesichtete Ungetüm in einer sehr großen zweiflügligen Tür, die zu einem sehr großen, hölzernen Gebäude gehörte, welches an der einen, sichtbaren Seite, eine Reihe kleiner Fenster enthielt.

 

Nach einer Erholungspause, die der Stadtmensch auch sehr nötig hatte, sah er das gleiche Ungetüm mit den zuvor vernommenen Geräuschen wieder heraus fahren. Er erstarrte stehenden Fußes. Es machte sich ein Gefühl breit welches wir als unbändige Wut empfinden würden.

 

Sekunden danach ertönte ein ungezähmtes Brüllen über das Grundstück des Stadtmenschen. Diese Schrillen und zugleich unkontrolliert klingenden Töne trugen die folgenden Worte in die Welt hinaus: Sofort abstellen, was machen sie dort! Das ist ja Ruhestörender Lärm. Ich werde dagegen massiv vorgehen. Sie hören von meinem Anwalt.

 

Vollkommen unbeeindruckt setzte das stählerne Ungetüm seinen Weg zu einem noch übler riechendem, sehr großen Haufen, fort. 

Während sich der Stadtmensch seiner unbändigen Wut inbrünstig hingab, entdeckten seine zornigen Blicke am Horizont seltsam aussehende turmartige Dinger, die etwas höher als die Baumkronen erschienen. Zu allem Überfluss trugen diese Dinger Propeller an ihrer Spitze, die sich langsam im sanften Wind drehten. Er war nun außer sich, stampfte mit dem rechten Fuß auf den Boden und lief quer über seine Wiese, überquerte schadlos seinen Graben und kam plötzlich zum Stillstand. Nicht weil seine Wut nachgelassen hatte, nein. Er spürte, dass den linken Fuß etwas hemmte. Es fühlte sich seltsam an, war grünlich, dickflüssig hatte ungefähr einen Durchmesser von 30 bis 40 cm und reichte bis kurz über seine Knöchel. Noch während er seinen Fuß mit einem schmatzenden Geräusch aus der seltsamen Masse zog, vernahm er direkt über sich eine Art krächzender mehrfachtöne. Sein Blick wendete sich den Tönen über ihm zu. Ein schrecklicher Gedanke durchschoss seine Stadtsinne: ein Schwarm kommt über mich.

Nach ungefähr 3 Minuten schweifte sein ohnehin schon hektischer Blick Richtung Westen. Dort sah er ein Areal von ungefähr 4 bis 5m² Größe und in der Mitte stand ein ca. 2 bis 3 Meter hohes, futuristisch aussehendes, ebenfalls stählernes, Rohrartiges Ungetüm. Es befand sich schon außerhalb seiner Grundstückgrenze. Das störte den Stadtmenschen keineswegs. Er kämpfte sich tapfer über die Wiese, durch zahlreiche grüne Häuflein, die seinen anderen Fuß ebenfalls beanspruchten und kam letztlich bei dem Areal an. Er besah sich alles sehr genau fand das es hier nicht hergehöre und sicherlich auch gefährlich sei. Nachdem er sich den Namen merkte, trat er seinen Rückweg zum Haus an, welcher so einige weitere grüne Überraschungen bereithielt. Im Haus angekommen, stieg er die Treppe hinauf und sah eine Vase welche einmal blaubemalt war, eine Größe von circa 80 cm hatte und immer genau in derselben Ecke stand. Nun hatte sie sich in sehr viele Einzelteile zerlegt.

 

Zwei Wochen später

 

Der Stadtmensch betrat den besagten EDEKA Laden. Er nahm sich einen Einkaufskorb, lenkte seine Schritte durch die gut bestückten, engen Regalreihen und sah einen betonierten Fleck auf dem Ladenfussboden. Seine Erinnerung funktionierte perfekt.  Das Gespräch mit dem Makler kam ihm in den Sinn. Noch während er sich bückte um den nahezu kreisrunden Fleck  am Boden zu untersuchen, fragte eine freundlich klingende Stimme: Guten Tag, kann ich etwas für sie tun? Sehr langsam und bedächtig richtete er sich auf, sah eine Frau vor sich stehen, die einen weißen Kittel trug und fragte zurück was das für ein Fleck auf dem Boden sei. Die freundliche Frau antwortete etwas irritiert das es kürzlich einen kleinen schaden am Fußboden gegeben hätte und der Schaden aber vollständig beseitigt werden würde. Noch während er an der Kasse stand, hörte er leise Stimmen flüstern welche sagten, dass er der kürzlich hinzugezogenen sei.

Er fuhr mit seinem Audi in Richtung seines Hauses, bis zu einer Straßenkreuzung. Alles immer sehr genau nehmend hielt er am Stoppschild an, sah sich um und fuhr langsam an, um die Kreuzung zu Überqueren. Just in diesem Moment raste ein aufgemotzter Golf direkt über die Kreuzung. Es ging alles gut, nur nicht im Kopf des Stadtmenschen. Er merkte sich die Autonummer und fuhr laut schimpfend nach Hause um sich dann nach der Telefonnummer der nächsten Polizeiwache zu erkundigen.

 

Zwei Monate später

 

Die örtliche Tageszeitung berichtete, dass im Landgebiet ein neuer Verein gegründet worden ist, der den Namen: IBDIBD. e.V. trägt.

In Folge tauchten zahlreiche Plakate, Flyer, Visitenkarten, online und Zeitungsartikel auf die dazu aufriefen die Missstände zu beseitigen…

In einem kleinen Büro innerhalb des Landgebietes, unabhängig von den Aktivitäten des Vereins und deren Befürworter, wurde unterdessen fleißig recherchiert, die verantwortlichen dieser vermeintlichen Missstände befragt, die Presse wurde kontaktiert, es fanden Besuche bei Firmen statt und das Material  wurde akribisch genau zusammengetragen um es den Menschen wertungsfrei zur Verfügung zu stellen.  So, und auf diese Weise, wurde der Blick auf das ganze geweitet und Wahrheiten mitgeteilt…

 

© by Volker Hochmuth 2013

 

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